{"id":13158,"date":"2016-12-13T22:31:33","date_gmt":"2016-12-13T19:31:33","guid":{"rendered":"https:\/\/nadegda.de\/2016\/12\/13\/protoierej-leonid-tsypin-ocherk\/"},"modified":"2016-12-13T22:31:33","modified_gmt":"2016-12-13T19:31:33","slug":"protoierej-leonid-tsypin-ocherk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nadegda.de\/de\/material\/prihodskie-novosti\/protoierej-leonid-tsypin-ocherk\/","title":{"rendered":"Erzpriester Leonid Zypin - ein Essay"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10358\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/10659228_10202668538616582_1663272776480392615_n.jpg\" alt=\"10659228 10202668538616582 1663272776480392615 n\" width=\"152\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><strong>Erzpriester Leonid Tsypin - Essay.<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"color: windowtext;\">\"13 Jahre nachdem ich dich kennengelernt habe.\"<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp;Sechs Jahre sind seit dem Tod von Pater Leonid vergangen. Viele Menschen haben ihre Erinnerungen an Pater Leonid aufgeschrieben. Auch ich wurde gefragt, aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden habe ich mich zur\u00fcckgehalten. Aus welchen Gr\u00fcnden? Wenn man mein Leben von au\u00dfen betrachtet, dann war die Zeit meiner Bekanntschaft mit Pater Leonid eine entscheidende Phase meiner Ausbildung. Diese Wachstumsprozesse, der Weg, den ich damals begonnen hatte, musste vollendet werden. Jetzt kann ich \u00fcber die Vergangenheit sprechen, indem ich sie nach ihren Folgen beurteile. Meine Erinnerungen an Pater Leonid sind also untrennbar mit meinem Leben verbunden, und so wird meine Geschichte von uns beiden handeln.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13132\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_5006-scaled.jpg\" alt=\"IMG 5006\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Wir lernten uns auf der Krim kennen. Meine Mutter brachte mich, einen sechzehnj\u00e4hrigen Teenager, auf die Halbinsel. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft bereitete ich mich als \u00fcberzeugter Atheist auf die Strafarbeit vor. Drei Wochen mit Menschen, die sich dem Glauben zugewandt haben, Teenager, die mit der Nase in der Bibel stecken und st\u00e4ndig beten. Und dem Pfarrer wollte ich gar nicht begegnen: \"Ein Fanatiker\", dachte ich, \"der auch noch einen Segen braucht. Ich versicherte meiner Mutter kategorisch, dass ich niemals jemandem die Hand k\u00fcssen w\u00fcrde. Aber sie beruhigte mich ein wenig und sagte, sie habe gesehen, wie Pater Leonid M\u00e4nnern die Hand gesch\u00fcttelt habe. Das ermutigte mich, und mir ging das Bild durch den Kopf, wie der Priester die Finger hob und sich bekreuzigte und ich ihm vertrauensvoll die Hand reichte und mich so dem Opium des Volkes widersetzte.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13133\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/86525B3AF69B12F6C68143EE4936943EDC6C89F079B9EC0CA4pimgpsh_fullsize_distr.jpg\" alt=\"86525B3AF69B12F6C68143EE4936943EDC6C89F079B9EC0CA4pimgpsh fullsize distr\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Die erste Begegnung war in der Tat nicht so spektakul\u00e4r. Als wir aus dem Zug stiegen, wurden wir auf dem Bahnsteig von einem erwachsenen Mann empfangen, der ganz und gar nicht nach religi\u00f6ser Propaganda roch. Ohne Weste, ein freundliches Gesicht mit einem tiefen, aber freundlichen Blick, ein Bart, der an den Seiten grau geworden war, ein ruhiger und sicherer Gang. Jetzt erscheint das Bild vor unseren Augen in Mantel und Baskenm\u00fctze, aber damals war es Hochsommer auf der Krim, und so war er in leichtere Kleidung gekleidet. Vater Leonid war der erste, der ihm die Hand reichte und ihn auf m\u00e4nnliche Weise begr\u00fc\u00dfte. Seine respektvolle Begr\u00fc\u00dfung und sein ganzes Auftreten beruhigten mich, und ich atmete erleichtert auf. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13134\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/683B005544992FD95B07A4FBAA3D13A4860BBA5D7AB08D535Fpimgpsh_fullsize_distr.jpg\" alt=\"683B005544992FD95B07A4FBAA3D13A4860BBA5D7AB08D535Fpimgpsh fullsize distr\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp; Ich habe nie irgendwelche Fanatiker getroffen. Meine Mutter brachte mich zu einer von der Wuppertaler Gemeinde organisierten Siedlung. Dort traf ich eine gro\u00dfe Anzahl von Familien aus Wuppertal, Dortmund und Umgebung. Die Familien der Gemeindemitglieder, die H\u00e4user von Privatpersonen mieteten, trafen sich im Gemeindehaus der Kacha-Kirche zum Gebet, gingen an den Strand, unternahmen Pilgerfahrten und organisierten regelm\u00e4\u00dfig Freizeitaktivit\u00e4ten. Wir haben damals sogar eine Hochzeit gefeiert. F\u00fcr mich war diese Reise ein entscheidender Moment f\u00fcr mein sp\u00e4teres Leben und die Wahl meines Weges. Die Freundschaft spielte eine wichtige Rolle. Die jungen Leute, eine Gruppe von f\u00fcnfzehn Personen, waren keineswegs auf das Bibellesen fixiert. Es waren ganz \"normale\" Jungs, mit denen wir Spa\u00df haben konnten. Die erste Barriere war \u00fcberwunden. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2851\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Foto.JPG\" alt=\"Foto\" width=\"150\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Das n\u00e4chste Bindeglied in meiner kirchlichen Laufbahn war \"Onkel Venya\", Veniamin, der Sohn von Vater Leonid. Er war auf dieser Reise f\u00fcr die Freizeitgestaltung der Jugendlichen zust\u00e4ndig, insbesondere f\u00fcr die abendlichen Treffen. Unvers\u00f6hnlich <\/span><span style=\"color: windowtext;\">Da ich auf jede Erw\u00e4hnung des Glaubens reagierte, st\u00f6rte ich die Gespr\u00e4che und diskutierte lange mit Onkel Venya \u00fcber die Unm\u00f6glichkeit der Existenz Gottes, die Absurdit\u00e4t des Kirchenlebens und die Sinnlosigkeit der Keuschheit. Aber ich konnte ihn nicht \u00fcberzeugen. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich an Gott glaubte. Es war an einem Sonntag, als alle schon zum Gottesdienst gegangen waren. Ich lag auf einer Matratze in einem Zimmer in einem alten Landhaus, das wir gemietet hatten. In meinem Kopf dachte ich an die Gespr\u00e4che, die wir mit Onkel Venja gef\u00fchrt hatten, \u00fcber die <\/span><span style=\"color: windowtext;\">\u00fcber das, was in der vergangenen Woche geschehen war, dar\u00fcber, wie wir als Kinder mit meiner Gro\u00dfmutter und meiner Mutter in den Tempel gegangen waren. Dann kam eine Stille des Nachdenkens. Und dann, vielleicht f\u00fcr einen Moment, erh\u00f6rte der Herr die Gebete meiner Mutter und ber\u00fchrte mein Herz. Mir wurde klar - ja, er ist es. F\u00fcr mich, die ich von Natur aus Maximalist bin, wurde das ein Aufruf zum Handeln. Ich stand auf, ging in den Gottesdienst, beichtete und nahm nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder am Abendmahl teil.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp;<span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13135\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/18D9B06072AB7F919526C322A20C98869005E1DFDBEB5415B8pimgpsh_fullsize_distr.jpg\" alt=\"18D9B06072AB7F919526C322A20C98869005E1DFDBEB5415B8pimgpsh fullsize distr\" width=\"150\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span>Auf der Krim hatte ich nicht viel Kontakt zu Pater Leonid. Er blieb mir als ein intelligenter, humorvoller, n\u00fcchterner F\u00fchrer in Erinnerung. <\/span><span style=\"color: windowtext;\">Er erz\u00e4hlte Geschichten, argumentierte logisch, ging nicht auf halb-orthodoxe M\u00e4rchen ein, reiste mit uns, sa\u00df am Feuer und h\u00f6rte sich Lieder an. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Die Reise auf die Krim, die Gemeinden in Wuppertal und Dortmund, die auch in meinem Schicksal eine Rolle spielten, waren seine Idee, die Menschen arbeiteten dort unter seinem Segen, er war derjenige, der <\/span><span style=\"color: windowtext;\">versammelte die Menschen um Christus.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13136\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kopie_von_SL381492.JPG\" alt=\"Kopie von SL381492\" width=\"150\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp; Nach zwei Jahren in der Gemeinde und nach Abschluss der Schule beschloss ich, ins Priesterseminar einzutreten. Vater Leonid segnete mich, und so ging ich zun\u00e4chst f\u00fcr ein Jahr in die Einsiedelei des heiligen Spiridon, um mich vorzubereiten, und dann in das Moskauer Theologische Seminar selbst.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">- - - - -<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13137\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/C274CFEECDF8DC938EEC7250BBDDA478A1D90E8F928039F636pimgpsh_fullsize_distr.jpg\" alt=\"C274CFEECDF8DC938EEC7250BBDDA478A1D90E8F928039F636pimgpsh fullsize distr\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; W\u00e4hrend meines Studiums an der Bursa wurde der Kontakt zu Pater Leonid intensiver. Wir sahen uns und sprachen miteinander, wenn ich in den Ferien kam. Auch diese Gespr\u00e4che haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Nat\u00fcrlich gab es im Seminar eine Menge Wissen, es gab viele Lehrer, die die verschiedenen kirchlichen Wissenschaften ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rten. Aber Pater Leonid hatte die Gabe, das alles zusammenzufassen. Bis heute habe ich keinen anderen Priester getroffen, der die Kirche so gut verstanden hat wie er. Die einzelnen Puzzlesteine, die die meisten Menschen nur teilweise zusammensetzen, f\u00fcgte Pater Leonid zusammen und erreichte so in seinem Kopf eine Konsolidierung der Theologie, ein Verst\u00e4ndnis der Kirche und ihrer Aufgabe. Bei der Beantwortung von Fragen blieb er nie an der Oberfl\u00e4che, sondern blickte immer in die Tiefe, sprach nicht \u00fcber das \u00c4u\u00dfere, sondern \u00fcber das Wesentliche der Dinge. Er k\u00fcmmerte sich selbstlos um die Pfarreien, f\u00fcr ihn war es das Wichtigste, Gott zu dienen. Dabei ging er manchmal bis zum \u00c4u\u00dfersten, stellte das Wohl der Pfarrei \u00fcber die Menschen, die in ihr arbeiteten, und verlangte von denen, die ihm nahestanden, die gleiche Hingabe wie von sich selbst.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13138\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC05519-scaled.jpg\" alt=\"DSC05519\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; \u0427<\/span><span style=\"color: windowtext;\">Was mich an Pater Leonid am meisten beeindruckte, war sein st\u00e4ndiges Streben nach Selbstverbesserung. In seinen Sechzigern, als Kandidat der Theologie, las er st\u00e4ndig wissenschaftliche Werke und Artikel, arbeitete an seinem Buch \u00fcber die Sechzig Tage und plante, seinen Doktortitel zu verteidigen. W\u00e4hrend seiner ersten Reise in die Ukraine nach seiner Inthronisierung sagte Patriarch Kirill: <i>\"Wo immer ich hingehe, h\u00f6re ich den Menschen zu. Wenn ich anderen nicht zuh\u00f6ren w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich selbst nichts sagen, was es wert w\u00e4re, geh\u00f6rt zu werden.<\/i>. Das Gleiche k\u00f6nnte man von Pater Leonid sagen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: windowtext;\"> Trotz seiner Ausbildung, seines Alters und seiner Erfahrung hatte er immer ein offenes Ohr f\u00fcr andere. F\u00fcr mich, damals noch Seminarist, war er <\/span><span style=\"color: windowtext;\">regelm\u00e4\u00dfig angerufen und <\/span><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13139\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC_0441-scaled.jpg\" alt=\"DSC 0441\" width=\"200\" height=\"134\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span><span style=\"color: windowtext;\">nach meiner Meinung gefragt. Nicht, weil ich etwas Besonderes w\u00e4re oder besondere Kenntnisse h\u00e4tte. Ich bin sicher, dass er auch andere Leute konsultiert hat. Wenn er Schlussfolgerungen zog und Entscheidungen traf, st\u00fctzte er sich nicht nur auf sein eigenes Urteil, sondern ber\u00fccksichtigte auch die Meinungen anderer. Immerhin <\/span><span style=\"color: windowtext;\">Es gibt von jedem Menschen etwas zu lernen. Wir wurden von Professor Volkov im Seminar eingehend unterrichtet: <i>\"Selbst aus der langweiligsten Vorlesung kann man etwas N\u00fctzliches herausholen.\"<\/i>.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13140\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0706.13_051.jpg\" alt=\"0706.13 051\" width=\"200\" height=\"164\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>Vater Leonid war auch immer bereit, seine Ansichten zu revidieren. Einmal kamen wir zu sp\u00e4t, um einem S\u00e4ugling die Kommunion zu geben, und die Gaben waren bereits zum Altar gebracht worden. Die Mutter des Kindes bat darum, und Pater Leonid beschloss, den Kelch wieder herauszunehmen. Er ging zum Altar, nahm die Gaben und ging durch die T\u00fcr des Diakons hinaus, um die Kommunion zu spenden. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Nach dem Gottesdienst machte ich ihn darauf aufmerksam, dass man die heiligen Gaben an der K\u00f6niglichen Pforte abgeben sollte, so wie wir es im Seminar immer gemacht haben, aus Ehrfurcht vor dem Heiligen Sakrament. Und trotz seiner langj\u00e4hrigen Erfahrung und seines Ranges als Erzpriester stimmte er sofort zu: \"Ja, ich habe Unrecht!\".<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13141\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC01347-scaled.jpg\" alt=\"DSC01347\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp; Ich w\u00fcrde nie von \"Pater Leonids Tradition\" als einer Reihe von Br\u00e4uchen, Haltungen und Regeln sprechen, die er selbst erfunden oder befolgt hat. Er strebte immer nach Verwirklichung, nach Vollkommenheit. Nat\u00fcrlich gab es bestimmte Praktiken, die f\u00fcr sein Wirken typisch wurden. Aber dennoch kann man von der \"Tradition von Pater Leonid\" nur in einem einzigen Sinne sprechen: als Tradition der orthodoxen Kirche. Ihr war er ganz und gar ergeben. Wenn er Entscheidungen traf, wenn er die Gemeinde leitete, lie\u00df er sich nicht von seinen pers\u00f6nlichen \u00dcberlegungen und Argumenten leiten, sondern von der Tradition der Kirche in ihrer tiefsten Auslegung. Er konnte jede Entscheidung, jede Praxis auf der Ebene der Theologie, des Kanons, der Liturgie und der Kirchengeschichte rechtfertigen. Gleichzeitig war er immer bereit, andere Argumente zu h\u00f6ren und seine Ansichten zu \u00e4ndern, indem er nach neuen L\u00f6sungen suchte, die der ver\u00e4nderten Situation entsprachen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13142\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/095.JPG\" alt=\"095\" width=\"200\" height=\"132\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Warum gab es zum Beispiel in den ihm anvertrauten Pfarreien Gemeindeversammlungen und Pfarrgemeinder\u00e4te? Weil der Vladyka den Segen hatte, die Pfarrei in \u00dcbereinstimmung mit der Kirchenordnung zu organisieren. Und die modernen Statuten der Russischen Orthodoxen Kirche sind kein toter Buchstabe, sondern eine Sammlung langj\u00e4hriger kirchlicher Erfahrungen, die an die Gegebenheiten unserer Zeit angepasst wurden. Nat\u00fcrlich kann man, wenn man im Geiste ein Altgl\u00e4ubiger wird, die Kanones und Statuten der Kirche in einen leblosen und sogar erstickenden Verwaltungskanon verwandeln. Aber wenn wir sie aufmerksam befolgen und den Wortlaut mit der Realit\u00e4t des Gemeindelebens vergleichen, werden sie zu einem m\u00e4chtigen Werkzeug f\u00fcr den Aufbau der Gemeinde.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10675\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/0002225.JPG\" alt=\"0002225\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span><span style=\"color: windowtext;\">Pater Leonid organisierte regelm\u00e4\u00dfig die Gemeindeversammlungen. Auch der Pfarrgemeinderat funktionierte, obwohl er ihn in Dortmund nicht so weit entwickeln konnte. <\/span><span style=\"color: windowtext;\">in dem Ma\u00dfe, dass er selbst\u00e4ndig arbeiten konnte. Als der Bischof erkrankte, schlug ich vor, dass der Rat die dringenden Probleme l\u00f6sen sollte. Daraufhin sagte eines der Ratsmitglieder zu mir: \"Welcher Rat? Wir haben uns getroffen, und Pater Leonid hat uns gesagt, was wir tun sollen. Das ist kein gutes Modell. Sicher, der Rektor steht an der Spitze der Gemeinde. Aber die Ratsmitglieder und Gemeindemitglieder sollten an der Entwicklung seines Lebens teilhaben, Entscheidungen treffen und ihn unterst\u00fctzen. Als ich also nach dem Klerus fragte, sagte Vater Vasily (Grolimund): <i>\"Die Aufgabe eines geistlichen Vaters besteht nicht darin, das Leben eines Menschen st\u00e4ndig zu lenken. So wie ein leiblicher Vater ein Kind erzieht, damit es erwachsen wird, so ist es die Aufgabe eines geistlichen Vaters, sein Kind so zu erziehen, dass es die richtigen Entscheidungen f\u00fcr sich selbst treffen kann.<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13143\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/0706.13_043.jpg\" alt=\"0706.13 043\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>Dieses Vorgehen in Dortmund war eine Reaktion auf die Erfahrungen in Wuppertal. Pater Leonid teilte mir einmal den Gedanken mit, dass er in Wuppertal den Menschen von Anfang an zu viele Freiheiten gegeben hatte - Diskussionen, Meinungsumfragen bei den Mahlzeiten -, was einerseits die Menschen zum eigenen Denken anregte, andererseits aber auch zu \u00c4rger und Streit f\u00fchrte. Er habe den Menschen in der Gemeinde Freiheit gegeben, aber sie seien noch nicht reif daf\u00fcr gewesen, geistig unreif. Deshalb habe er die Mahlzeiten in Dortmund zun\u00e4chst anders organisiert - er habe mehr selbst gelesen und gesprochen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Vater Leonid hatte eine besondere Meinung \u00fcber den Vorsteher der Gemeinde. Einem seiner Lehrer zufolge sollte der Vorsteher alle vier Jahre ausgetauscht werden. Andernfalls w\u00fcrde sich der Vorsteher zu sehr in seine Rolle vertiefen, eine Position einnehmen und in Opposition zum Priester geraten. In der Praxis war es nicht immer m\u00f6glich, sich an diese Haltung zu halten. Batjuschka beklagte, dass es keine geeigneten Kandidaten gab. Das Problem der \u00c4ltesten in den Pfarreien war seit langem bekannt, was dazu f\u00fchrte, dass der Bischofsrat diese Institution 2009 abschaffte und eine entsprechende \u00c4nderung der Pfarrsatzung der ROC vornahm.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13144\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/P1100142.JPG\" alt=\"P1100142\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Eine wichtige Ermahnung, die mir Pater Leonid bez\u00fcglich der Rolle der Matuschka in der Gemeinde gab. \"<i>Mutter und ich haben eine Vereinbarung <\/i>- sagte er mir. - <i>Ich bin f\u00fcr die kirchlichen Angelegenheiten zust\u00e4ndig, und Mutter mischt sich da nicht ein. Und sie ist die Herrin des Hauses, und ich mische mich nicht in h\u00e4usliche Angelegenheiten ein.<\/i>\". Jeder hat also seinen eigenen T\u00e4tigkeitsbereich. In der Tat ist das Haus die Aufgabe der Frau. Aber wenn eine Mutter anf\u00e4ngt, sich in kirchliche Angelegenheiten einzumischen, f\u00fchrt das in den meisten F\u00e4llen zu ungl\u00fccklichen Konsequenzen. Sogar das Priesterseminar hat davor gewarnt. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp;Dennoch versuchte Pater Leonid, jedem Menschen einen Gehorsam in der Kirche zu geben. Wenn jemand in der Kirche hilft, ist er in die Gemeindeaktivit\u00e4ten eingebunden, die Gemeinde wird zu seiner Gemeinde. Ich habe nicht ein einziges Mal die Situation erlebt, dass eine Person gelegentlich in den Tempel geht. Aber jetzt hat er einen Job, und er ist jeden Sonntag im Gottesdienst. Aber f\u00fcr die Gemeinde ist das eine gro\u00dfe Hilfe. Einmal kam ich vom Gottesdienst in Kleve zum Tempel, und da war ein Sabbat, drei\u00dfig Leute waren versammelt! Da denke ich: Wie lange w\u00fcrde ich brauchen, um so viel Arbeit selbst zu machen?<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13145\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC03555-scaled.jpg\" alt=\"DSC03555\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>Was den finanziellen Aspekt der Existenz der Pfarrei anbelangt, hat Pater Leonid erfolgreich das Modell der deutschen gemeinn\u00fctzigen Vereine \u00fcbernommen (<\/span><span style=\"color: windowtext;\">eingetragen<\/span><span style=\"color: windowtext;\"> <\/span><span style=\"color: windowtext;\">Vereine<\/span><span style=\"color: windowtext;\">). Die Gemeindemitglieder wurden ermutigt, Treuh\u00e4nder zu werden. Die Treuh\u00e4nder \u00fcberwiesen monatlich die Mitgliedsbeitr\u00e4ge in die Gemeindekasse, unabh\u00e4ngig davon, wie oft sie die Kirche besuchten. Auf diese Weise verf\u00fcgte die Kirchengemeinde \u00fcber ein regelm\u00e4\u00dfiges Einkommen und konnte sicher sein, dass im n\u00e4chsten Monat bestimmte Mittel zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrden. Dies war besonders wichtig f\u00fcr die Aufnahme einer Hypothek - die Kirchensteuer ist eine unbest\u00e4ndige Sache, und die Mitgliedsbeitr\u00e4ge gaben der Bank eine Garantie, dass das Darlehen zur\u00fcckgezahlt werden w\u00fcrde. Als eine Form der Dankbarkeit wurde den Treuh\u00e4ndern in der Litanei laut gedacht, ihre Gedenkb\u00fccher wurden in jedem Gottesdienst verlesen, und es wurden Erm\u00e4\u00dfigungen auf Pilgerfahrten und Kinderlager gew\u00e4hrt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp; Die Treuh\u00e4nder sorgten auch daf\u00fcr, dass Pater Leonid einer der ersten Priester in der Di\u00f6zese wurde, der offiziell in der Pfarrei angestellt war und keinen \"Teilzeitjob\" brauchte. Auf diese Weise konnte er seine ganze Kraft in die Entwicklung und Pflege der Pfarrei investieren. Die Behauptung, dass ein Priester in Deutschland neben seinem Dienst auch einer weltlichen T\u00e4tigkeit nachgehen muss, wurde im zwanzigsten Jahrhundert zu einem Axiom. Die Auswandererpfarreien waren in der Tat wenige und schlecht versorgt. Doch die Zeiten \u00e4ndern sich. Wenn zum Beispiel Anfang der 1990er Jahre nur zwanzig Personen an einem Sonntagsgottesdienst in einer D\u00fcsseldorfer Kirche teilnehmen konnten, ist heute die ganze Kirche \u00fcberf\u00fcllt, und die Menschen stehen auf dem Gang und auf der Stra\u00dfe. Wenn in jenen Jahren viele Gemeindemitglieder gerade weggezogen waren und sich beruflich noch nicht etabliert hatten, so sind es heute <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13146\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC_0436-scaled.jpg\" alt=\"DSC 0436\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>Die meisten von ihnen haben eine normale Besch\u00e4ftigung und k\u00f6nnen ihren Pfarrer unterst\u00fctzen. Pater Leonid erkannte dies und fand die Kraft, aus seinen festen \u00dcberzeugungen auszubrechen. Er erkannte, dass ein Priester, der in einem weltlichen Beruf arbeitet, nicht normal ist. Die besten, aber arbeitenden <\/span><span style=\"color: windowtext;\">Vollzeit<\/span><span style=\"color: windowtext;\"> Ein Priester mit den besten Absichten ist \"nur zu zwanzig Prozent\" Priester. Er schafft es, die Allnacht und die Liturgie zu halten, Menschen nach dem Gottesdienst zu taufen, aber f\u00fcr mehr hat er keine Zeit. Wann soll er die Katechese vor Taufen und Hochzeiten halten, die Gemeindemitglieder besuchen, Kontakte zur Stadt und zur Gemeinde kn\u00fcpfen, Jugendtreffen und Kinderfreizeiten abhalten, Gef\u00e4ngnisse und Pflegeheime aufsuchen, Veranstaltungen organisieren? Letztendlich leiden alle darunter - die Gemeinde, die Mutter, die Kinder, der Priester selbst.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7322\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/091.JPG\" alt=\"091\" width=\"200\" height=\"132\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Die oben erw\u00e4hnten Mahlzeiten nach dem Gottesdienst waren f\u00fcr Vater Leonid von gro\u00dfer Bedeutung. Sie waren einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr das schnelle Wachstum seiner Gemeinden, und Vladyka Theophan nannte das Essen \"die Liturgie nach der Liturgie\". Zum einen lernten sich die Menschen kennen, kn\u00fcpften Kontakte, kamen sich n\u00e4her, und es entstand ein Gemeinschaftsgeist. Besonders in der Diaspora ist die Zeit nach dem Gottesdienst f\u00fcr die Menschen wertvoll. Schlie\u00dflich haben viele nicht die M\u00f6glichkeit, sich au\u00dferhalb des Gottesdienstes mit anderen Gl\u00e4ubigen auszutauschen. Es gibt nicht viele orthodoxe Christen in Deutschland, und sie leben meist weit voneinander entfernt. Wenn man nach dem Gottesdienst keine Zeit miteinander verbringt, ist es fast unm\u00f6glich, unter der Woche eine solche Zeit zu finden. Die Teilnahme am Gottesdienst und an der Eucharistie ist nat\u00fcrlich das Wichtigste im Leben eines Christen, aber er braucht auch einfache menschliche Gesellschaft.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13147\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC00596-scaled.jpg\" alt=\"DSC00596\" width=\"200\" height=\"224\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Zweitens waren die Mahlzeiten ein Instrument der \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Es ist kein Geheimnis, dass die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Menschen, die in den Tempel kommen, ein \u00e4u\u00dferst geringes Verst\u00e4ndnis der Bibel und des Gesetzes Gottes haben. Aber damit ein Mensch, insbesondere ein gebildeter Mensch, in der Kirche bleibt, muss er verstehen, wozu der Tempel da ist, wer der Herr ist, er muss nicht nur die Form, sondern auch den Inhalt des Glaubens kennen lernen. Aus diesem Grund f\u00fchrte Batjuschka w\u00e4hrend des Essens, nachdem er hastig gegessen hatte, ein allgemeines Gespr\u00e4ch, beantwortete Fragen, diskutierte die Artikel, die er gelesen hatte. Einmal sagte er, er habe ein \"Sandwich\" gefunden, d.h. die optimale Form der Mahlzeit - ein Gespr\u00e4ch \u00fcber das Evangelium plus eine Diskussion \u00fcber das Leben eines Heiligen. Indem wir uns das Evangelium des Tages ins Ged\u00e4chtnis rufen, k\u00f6nnen wir \u00fcber das an uns gerichtete Wort Gottes sprechen, und am Beispiel des Lebens eines Heiligen k\u00f6nnen wir sehen, wie dieses Wort in die Praxis umgesetzt wird. Deshalb gab es zu Beginn der Mahlzeit eine hagiographische Lesung. Was ihn aber am meisten faszinierte, war seine Art, Beispiele zu erz\u00e4hlen - aus seinem eigenen Leben, aus dem Leben von Menschen und Gemeindemitgliedern, die er kannte. Mit diesen Beispielen veranschaulichte er anschaulich seine Argumente und Anweisungen. \u00dcberhaupt hatte Pater Leonid das Talent, die elementarsten Dinge wie einen spannenden Roman zu erz\u00e4hlen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13148\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/5_%D0%B2%D0%BE%D1%81%D0%BA%D1%80%D0%B5%D1%81%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5_022.jpg\" alt=\"5 \u0432\u043e\u0441\u043a\u0440\u0435\u0441\u0435\u043d\u0438\u0435 022\" width=\"150\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Man k\u00f6nnte sagen, dass er ein gelebter Katechet war. Einerseits schenkte er der Katechese in der Gemeinde gro\u00dfe Aufmerksamkeit. In der Liturgie hielt er zwei Predigten - eine nach dem Evangelium \u00fcber das Thema der Lesung der Rudimente und die zweite nach der Entlassung \u00fcber einen Heiligen oder ein aktuelles Thema. Auch bei anderen Gottesdiensten, wie z. B. bei Beerdigungen oder Akathistas, lie\u00df er die Menschen nicht ohne Predigt. Nach der Sonntagsliturgie - eine Mahlzeit mit Gespr\u00e4chen, nach der Mahlzeit - Studium des Evangeliums. Vor dem Sakrament der Taufe f\u00fchrte Pater Leonid eine besondere Eidesleistung durch - Paten und Eltern mussten zu einem mehrst\u00fcndigen Gespr\u00e4ch kommen und beichten. Heute ist dies eine anerkannte Norm; 2011 beschloss der Heilige Synod, dass Eltern und Paten eines Kindes mindestens zwei Vorbereitungsgespr\u00e4che absolvieren m\u00fcssen, und sie werden auch zu den Sakramenten der Beichte und der Kommunion gerufen. Aber vor 20 Jahren begann man gerade erst, \u00fcber die Notwendigkeit der Wiederzulassung zu diskutieren, und Pater Leonid hatte bereits seine eigenen Statistiken - wenn wir vor der Taufe kein Gespr\u00e4ch f\u00fchren, bleibt keiner der Neugetauften in der Kirche, wenn wir ein Gespr\u00e4ch f\u00fchren, bleiben zehn Prozent.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13149\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/uspenie_108.jpg\" alt=\"uspenie 108\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>Andererseits nutzte er jede freie Minute, um die Menschen zu unterrichten. Er predigte zu jeder Zeit - wenn er mit den Leuten Tee trank, wenn er zu Besuch kam, wenn er mit dem Zug reiste, wenn er am Feuer sa\u00df, wenn er im Park spazieren ging. Und diese Predigt war nicht aufdringlich, es gab kein Katechismus-Zitat. Er sprach immer lebendig, spannend, mit dem ihm eigenen Humor. Und die Menschen sch\u00e4tzten die Gespr\u00e4che mit dem Bischof, lie\u00dfen ihn manchmal erst sp\u00e4t in der Nacht nach Hause gehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Nach dem Gottesdienst ging er direkt ins Refektorium, hielt keine Gebete ab und versuchte, nicht mit den Leuten zu sprechen, damit die Mahlzeit nicht ohne einen Priester verging. Und anstelle von Gebeten war es m\u00f6glich, einen Namen \"f\u00fcr sugubaya\" einzureichen. Im Gottesdienstbuch gibt es ein Kapitel, in dem zus\u00e4tzliche Bitten f\u00fcr die Bittlitanei aufgeschrieben sind, die zu den \u00fcblichen Bitten der Liturgie hinzugef\u00fcgt werden k\u00f6nnen - f\u00fcr Kranke, Reisende, Studenten, zum Dank an Gott und zu Beginn einer guten Tat. Bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Allgemeing\u00fcltigkeit des eucharistischen Gedenkens sollte ber\u00fccksichtigt werden, dass f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen ein besonderes Gebet in ihrer besonderen Lebenssituation wichtig ist. Das Gedenken an die Bittgebetslitanei bietet eine solche Gelegenheit, wobei alle Arten von Gebetsgottesdiensten nach dem Gottesdienst ausgeschlossen sind. Es war auch m\u00f6glich, einen Namen zur Ruhe zu bringen, der dann in der Bittlitanei vorgetragen wurde.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13150\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/01.09.2011_030.jpg\" alt=\"01.09.2011 030\" width=\"150\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Was die L\u00e4nge des Gottesdienstes angeht, so bestand Batjuschka Leonid darauf, dass der Gottesdienst nicht l\u00e4nger als zweieinhalb Stunden dauern sollte, sowohl die Allnacht als auch die Liturgie, einschlie\u00dflich der Stundenlesung. Einmal, an Pfingsten, feierten wir nach der Liturgie eine Vesper mit knienden Gebeten. Pater Leonid verk\u00fcrzte die H\u00e4lfte des Gottesdienstes, sogar einige der Gebete des Tageskreises, was meine Emp\u00f6rung hervorrief (ich war bereits nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt, studierte aber noch in Abwesenheit im Seminar). Aber er hat mich zurechtgewiesen: <i>\"Wir m\u00fcssen an die Menschen denken!\"<\/i> F\u00fcr ein normales Gemeindemitglied unter unseren Bedingungen sind zweieinhalb Stunden das Ma\u00df, das ein Mensch ertragen kann. L\u00e4ngere Gottesdienste sind die Dom\u00e4ne der Kl\u00f6ster.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13151\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC01252-scaled.jpg\" alt=\"DSC01252\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>&nbsp; Pater Leonid organisierte regelm\u00e4\u00dfig Kinder- und Jugendfreizeiten. In Deutschland gab es praktisch keine Tradition von Freizeiten, und es erforderte Begeisterung und kostete viel M\u00fche, ein System von Freizeiten und Jugendarbeit f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse zu schaffen. Doch der Bischof erkannte, dass die Jugendarbeit der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Zukunft der Pfarrei und der Di\u00f6zese war. Die ersten Freizeiten waren spontan und formlos, aber jedes Jahr wurden sie strukturierter und aufwendiger, und die Zahl der Teilnehmer wuchs. Die Sonntagsschule nach dem Gottesdienst (5 Gruppen) und Jugendtreffen wurden entwickelt. P\u00e4dagogische Seminare wurden abgehalten. Ich h\u00f6rte, dass nach dem Tod von Pater Leonid ein Gemeindemitglied tr\u00e4umte, dass der Herr ihm seine S\u00fcnden vergab, nur weil er anfing, Freizeiten zu veranstalten. Ich wei\u00df nicht, wie wahr das ist, aber es ist etwas dran. Schlie\u00dflich sind viele Menschen wegen der Freizeiten in die Kirche gekommen. Ich kenne nicht nur mich selbst, sondern auch viele andere Menschen (Kinder und Erwachsene), die nach der Teilnahme an einem Camp zur Kirche gekommen sind. Die Praktiken der Jugendarbeit, die in Wuppertal und Dortmund entwickelt wurden, verbreiten sich nun in verschiedenen Gemeinden, und die jungen Menschen, die ich vor 13 Jahren in Kacha kennen gelernt habe, sind \u00fcberwiegend in der Kirche geblieben, haben Familien gegr\u00fcndet und f\u00fchren ein christliches Leben.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13152\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/16_nedela_067.jpg\" alt=\"16 nedela 067\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>Wenn wir \u00fcber Pater Leonids Aktivit\u00e4ten in der Gemeinde sprechen, ist es notwendig, einen weiteren, vielleicht den wichtigsten Aspekt seines Dienstes hervorzuheben. Das ist der Grund, warum er von seinen Gemeindemitgliedern geliebt wurde und warum die Menschen aus entfernten Vierteln und anderen St\u00e4dten zu ihm kamen. Er behandelte die Menschen mit Aufmerksamkeit. Er war bereit, sich f\u00fcr jeden Menschen Zeit zu nehmen, vor allem, wenn dieser ein Problem hatte. Bei der Beichte konnte er eine Person in seine N\u00e4he setzen und eine halbe oder ganze Stunde mit ihr reden. Er hatte keine Sprechzeiten, man konnte ihn immer treffen, jeder konnte ihn anrufen, kommen und mit ihm reden. Aber, was die Menschen noch mehr beeindruckte, er war sogar an ihrem Schicksal interessiert. Auf seine Gemeindemitglieder und auf die Gemeindemitglieder, die er kannte, ging er regelm\u00e4\u00dfig zu und fragte: \"Wie geht es Ihnen?\" Es schien eine triviale Frage zu sein. Aber wenn ein Mensch sp\u00fcrte, dass der Priester sich f\u00fcr sein Leben interessierte, sich an seine Probleme erinnerte und ihm nicht gleichg\u00fcltig war, bl\u00fchte er auf. Schlie\u00dflich fehlt es den Menschen manchmal an Ratschl\u00e4gen oder Anweisungen, sondern einfach an menschlicher Zuwendung. Wir bezeichnen einen orthodoxen Priester nicht als Lehrer oder Meister, sondern als Vater, als Batjuschka. Pater Leonid hatte also die Gabe der Vaterschaft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">- - - - - -<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13153\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/preobragenie_103.jpg\" alt=\"preobragenie 103\" width=\"150\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp; Am Ende des dritten Jahres bekamen meine Mutter und ich unseren erstgeborenen Sohn, Kolya. Wir waren gerade in eine neue Wohnung gezogen und hatten uns eingelebt. Dann erhielt ich einen Brief von Vater Leonid, nach dem das unbeschwerte Studentenleben ein Ende haben sollte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><span style=\"color: windowtext;\">12.07.2009<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><span style=\"color: windowtext;\">Herzlichen Gl\u00fcckwunsch! Dem Baby, den Eltern, den Adoptiveltern, den Gro\u00dfeltern - viele Jahre des Lebens und das Himmelreich in der Seele!<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><span style=\"color: windowtext;\">Wir haben ein n<\/span><\/i><i><span style=\"color: windowtext;\">Nachrichten. Pater Vadim Sadovy wurde zum Rektor in Wuppertal ernannt. Mir wurde angeboten, nach Menden zur\u00fcckzukehren und bei der Priesterweihe zu helfen.<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><span style=\"color: windowtext;\">Wo bist du, Alexej? Zwei dieser Gemeinden k\u00f6nnen nur allein geschleppt werden. Das ist ein Problem.<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><span style=\"color: windowtext;\">Herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum Fest der ersten treuen Apostel Petrus und Paulus!<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><span style=\"color: windowtext;\">Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Pater Leonid Ts.<\/span><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp;Am n\u00e4chsten Tag f\u00fchrten Pater Leonid und ich ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch, und einen Monat sp\u00e4ter reisten wir gemeinsam nach Berlin, um Vladyka zu besuchen. Als wir am Abend in Karlshorst ankamen, a\u00dfen wir einen D\u00f6ner. Batjuschka beklagte sich, dass die Integration nie stattgefunden habe - wie viele Jahre er schon in Deutschland lebe, aber er habe nie gelernt, ordentlich D\u00f6ner zu essen. Danach machten wir einen langen Spaziergang durch die Gassen des Viertels und sprachen wie immer \u00fcber die Kirche und die Theologie.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp;An<\/span><span style=\"color: windowtext;\">Ich erinnere mich aus diesem Gespr\u00e4ch an seine Gedanken \u00fcber die Deutschen in der orthodoxen Kirche. Die erste Frage war: Wo sollen wir sie nennen? D.h. nicht anrufen oder nicht anrufen - die Tatsache, dass die Orthodoxie universell ist und neben anderen V\u00f6lkern auch f\u00fcr die Deutschen bestimmt ist, war f\u00fcr Pater Leonid nie eine Frage. Zu seiner Zeit war die deutsche Sprache im Gottesdienst immer zu h\u00f6ren, auf der Website <\/span><em><span style=\"color: windowtext;\">nadegda<\/span><span style=\"color: windowtext;\">.<\/span><span style=\"color: windowtext;\">de<\/span><\/em><span style=\"color: windowtext;\"> war eine vollst\u00e4ndige deutschsprachige Version, er unterst\u00fctzte die \u00dcbersetzung seines Buches ins Deutsche, und \u00fcber ein deutsches Gemeindemitglied sagte er mit missionarischer Hoffnung: \"Er sollte eine Pfarrei gr\u00fcnden und ein 'deutscher Priester' werden.\" Die Frage war eine andere - wenn die Gemeinde nicht die Voraussetzungen f\u00fcr die Arbeit mit Deutschen hatte, d.h. nicht gen\u00fcgend deutschsprachige Gottesdienste, keine deutschsprachigen Aktivisten, keine Veranstaltungen in deutscher Sprache, dann konnte man sie einladen, aber wo sollten sie bleiben? Der entsprechende Boden musste vorbereitet werden. Ich frage mich, inwieweit sich diese Ansicht von der anderen unterscheidet, die ich geh\u00f6rt habe - warum sollte man etwas auf Deutsch machen, wenn es keine Deutschen in der Kirche gibt? Pater Leonid sah keine M\u00f6glichkeit, den deutschsprachigen Menschen gen\u00fcgend Aufmerksamkeit zu schenken, aber er hoffte, dass es in der Gemeinde jemanden geben w\u00fcrde, der dieses Vakuum f\u00fcllen k\u00f6nnte. Der zweite Plan war eher global, philosophisch. Das ist eigentlich auch typisch f\u00fcr Pater Leonid. Er schlug vor, dass man, um die<\/span><span style=\"color: windowtext;\">Um die Deutschen in gro\u00dfer Zahl zur Orthodoxie zu bringen, ist es notwendig, eine Idee zu finden, die ihr Selbstbewusstsein ber\u00fchrt. Man muss herausfinden, was die Orthodoxie dem deutschen Volk geben kann, was andere christliche Konfessionen nicht k\u00f6nnen. So war f\u00fcr Pater Leonid die deutsche Sprache im Gottesdienst kein zuf\u00e4lliges Experiment, sondern das erste Glied einer wohl\u00fcberlegten Strategie.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13154\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/DSC03349-scaled.jpg\" alt=\"DSC03349\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>In diesem Zusammenhang hatte er sich mehr als einmal an eine Aussage von Vladyka Mark (Arndt) erinnert, die er auf einer der Seelsorgeversammlungen gemacht hatte und der er zustimmte: <i>\"Es sollte alles getan werden, um die russische Sprache zu bewahren und gleichzeitig den Boden f\u00fcr einen fr\u00fcheren oder sp\u00e4teren Wechsel zum Deutschen zu bereiten.<\/i>. Es stimmt, dass die Gemeindemitglieder unserer Di\u00f6zesen in Deutschland heute \u00fcberwiegend russischsprachig sind. Aber wie viele haben<\/span><span style=\"color: windowtext;\">Wird es ihnen gelingen, die Sprache an ihre Kinder und Enkel weiterzugeben? Menschen aus dem Kern der orthodoxen Gemeinden, denen dies gelungen ist, r\u00fchmen sich manchmal ihres pers\u00f6nlichen Erfolgs. Sie vergessen jedoch, dass ihr r\u00fchmlicher Eifer nicht von allen Menschen geteilt wird und dass die Realit\u00e4t au\u00dferhalb des orthodoxen Verm\u00f6gens sich vom Leben einer Kirchenfamilie unterscheidet. Um dies zu veranschaulichen, k\u00f6nnen wir eine Parallele zum Kinderkriegen ziehen - die Tatsache, dass ich sieben Kinder habe, bedeutet nicht, dass ich das demografische Problem der russischen Welt gel\u00f6st habe. Nat\u00fcrlich ist es bequem, sich damit zu beruhigen, dass \"wir\" nur daf\u00fcr verantwortlich sind, die Menschen in der Zerstreuung der Gesch\u00f6pfe zu ern\u00e4hren, und dass diejenigen, die nicht die notwendigen Anstrengungen unternommen haben, ihre Sprache an ihre Kinder weiterzugeben, selbst schuld sind. Aber ist dieser Standpunkt ernsthaft und eines Menschen w\u00fcrdig, der die universelle Bedeutung der Orthodoxie versteht? Wie kann man mit gutem Gewissen jeden Samstag \"Nun lasst ihr los\" singen und gleichzeitig in der Gemeinde und in der Mission sprachliche (und \u00fcberhaupt irgendwelche) Grenzen setzen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Doch kehren wir zu den Ereignissen in Berlin zur\u00fcck. Gegen acht Uhr sagte der Bischof entschlossen: <i>\"Es ist Zeit, ins Bett zu gehen. Vielleicht wacht der Herr fr\u00fch auf und ruft uns zu einem Termin.\"<\/i>. Wir kehrten durch den Hintereingang, das \"Bad\", in die Di\u00f6zese zur\u00fcck und beteten. W\u00e4hrend dieses Gebetes lehrte mich Pater Leonid, die Absolution f\u00fcr das Abendgebet erst nach dem Gottesdienst zu erteilen. <i>\"O Herr, Gott der Menschen, diese Bahre soll mein Sarg sein.\"<\/i>sondern ganz zum Schluss. Wenn die Schlussgebete <i>\"wenn du dich auf deine Bahre legen willst.\"<\/i> Es ist logisch, die Absolution ganz am Ende zu lesen und nicht getrennt vom Rest, wie es das Gebetbuch vorschl\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/images\/images\/Bilder_2016\/Kopie_von_V._Lenoid_und_Erz._Longin.jpg\" alt=\"Kopie von V. Lenoid und Erz. Longin\" width=\"75\" height=\"100\" style=\"float: left;\" \/><\/span><span style=\"color: windowtext;\">&nbsp; Als wir fr\u00fch am Morgen aufwachten, gingen wir in die K\u00fcche, fr\u00fchst\u00fcckten und warteten. Hegumen Daniel (Irbits) rief uns an und fragte nach mir - \"Ist das ein Sch\u00fctzling?\" Pater Leonid ermutigte mich leise: <i>\"Ich h\u00f6rte ihn sagen. <\/i><\/span><span style=\"color: windowtext;\"><i>ein Proteg\u00e9 ist ein guter <\/i><\/span><span style=\"color: windowtext;\"><i>Zeichen!\"<\/i> Vladyka empfing uns wohlwollend, befragte uns und billigte die Tatsache, dass ich vor meinem Eintritt ins Priesterseminar ein Jahr lang mit Pater Vasily in einer Einsiedelei gelebt hatte. Er bat mich, nach Dortmund berufen zu werden, ohne auf meinen Abschluss zu warten. <\/span><span style=\"color: windowtext;\">und von Berlin aus kehrte ich mit einer Petition in der Hand nach Sergiev Posad zur\u00fcck. Pater Leonid ging davon aus, dass ich bis Ende 2009 Priester werden und ihm in Dortmund und Menden assistieren w\u00fcrde. Nach meiner R\u00fcckkehr packten meine Frau und ich unsere Sachen, schickten unsere Habseligkeiten per Container nach Deutschland und kauften Flugtickets. Aber ein Mann vermutet, und Gott verf\u00fcgt. Zwei Tage vor meiner Ankunft in Dortmund fiel Pater Kentenich in ein Koma, in dem er, wie wir wissen, einen Monat lang lag. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13155\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/5_%D0%B2%D0%BE%D1%81%D0%BA%D1%80%D0%B5%D1%81%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5_028.jpg\" alt=\"5 \u0432\u043e\u0441\u043a\u0440\u0435\u0441\u0435\u043d\u0438\u0435 028\" width=\"200\" height=\"150\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/>Wie es der Zufall wollte, wurde ich erst vier Jahre sp\u00e4ter Priester. Nat\u00fcrlich stand ich zu diesem Zeitpunkt unter Schock. Pater Leonid hatte mich berufen, Priester an seiner Seite zu werden, er wollte mein Gehalt bezahlen und eine Wohnung suchen. Und nun lag er im Koma, und au\u00dfer ihm brauchte mich niemand in Dortmund. <em>\"Warum kommt er hierher? Wovon wird er leben?<\/em>\" - wurde meine Mutter am Tag vor meiner Ankunft gefragt. Vladyka war bereit, mich unter der erfahrenen Leitung von Pater Leonid zu weihen, aber als dieser erkrankte, wurde dies unm\u00f6glich, denn der Bischof kannte den jungen Seminaristen nicht, und auf den Bischof war kein Verlass. Und das, obwohl er, als er aus dem Koma erwachte, fragte: <i>\"Wo ist mein Diakon Alexej?\"<\/i>Meine Priesterweihe wurde um zwei Jahre verschoben. Aber heute, am Vorabend der Einweihung der Kirche in Krefeld, wei\u00df ich, dass es Gottes Vorsehung war, dass ich nicht in Dortmund Priester werden konnte.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13156\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016.02.12_003.JPG\" alt=\"2016.02.12 003\" width=\"150\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span>&nbsp; Und die Zeit der Pr\u00fcfungen, die ich durchlaufen musste, bevor ich den priesterlichen Dienst antrat, war eine W\u00fcste. So hat es \u00fcbrigens Pater Leonid selbst genannt. Einmal sa\u00dfen wir mit ihm in der Bibliothek in der Lutherstra\u00dfe, und ich beklagte mich, dass die Dinge nicht so liefen, wie wir es vereinbart hatten und wie ich es mir gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Und er gab mir eine v\u00e4terliche Ermahnung. <i>\"Alexej, du musst zuerst durch die W\u00fcste gehen.\"<\/i>. Ja, sehr wahr, das sind Worte, an die ich mich mein ganzes Leben lang erinnert habe und die ich selbst schon an viele weitergegeben habe. Israel war 40 Jahre lang in der W\u00fcste. Gott sei Dank - ich musste nur 4 Jahre lang wandern.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<span style=\"color: windowtext;\">Ich lasse mich immer noch von dem leiten, was mich Pater Leonid gelehrt hat. Seine F\u00fchrung, seine n\u00fcchterne Sichtweise und seine moderne Einsch\u00e4tzung des kirchlichen Lebens haben mir, mit Gottes Hilfe, geholfen, Pfarreien zu er\u00f6ffnen, das Gemeinschaftsleben aufzubauen und die mir anvertraute Herde zu versorgen. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13157\" src=\"https:\/\/nadegda.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/263.jpg\" alt=\"263\" width=\"267\" height=\"200\" style=\"margin: 10px; float: left;\" \/><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Jedes Mal, wenn ich auf der Autobahn durch Dortmund fahre, gehe ich auf den Hauptfriedhof, halte ein Requiem am Grab meines verstorbenen Mentors und bitte um sein Gebet f\u00fcr seine Arbeit auf dem Feld Gottes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: windowtext;\">Ewiges Gedenken und ewige Ruhe!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: windowtext; font-family: book antiqua,palatino;\">Priester Alexey Veselov<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-family: book antiqua,palatino;\"><\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(Der Aufsatz ist in der Ausgabe des Autors erschienen.)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fotos von Tatiana Tsypina.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erzpriester Leonid Zypin - Essay. \"Dreizehn Jahre nach der Bekanntschaft\" Sechs Jahre sind seit dem Tod von Pater Leonid vergangen. Viele Menschen haben ihre Erinnerungen an die Batjuschka aufgeschrieben. Auch ich wurde gefragt, aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden habe ich mich zur\u00fcckgehalten. Aus welchen Gr\u00fcnden? Wenn man mein Leben von au\u00dfen betrachtet, war die Zeit meiner Bekanntschaft mit Pater Leonid eine entscheidende Phase in meinem Leben.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":10358,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-13158","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-prihodskie-novosti"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13158","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13158"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13158\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nadegda.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}