Felix Wagenblas
Der orthodoxe Jugendtag fällt im Kirchenkalender mit dem Fest der Darstellung des Herrn zusammen. Es ist dieser Tag der "Begegnung", den junge Menschen wählen, um ihre Stellung in der Kirche zu feiern.
Ich bin einer dieser jungen Menschen. Es scheint, als würdest du bereits die Schule beenden oder sogar an der Universität studieren, aber du hast noch keine Ausbildung. Als ob du dich langsam von der Kindheit entfernst, die dir deine Eltern geschenkt haben, aber du kannst es nicht ohne deine Mama und deinen Papa, als ob du schon groß und unabhängig bist, aber noch nicht erwachsen.
Etwas fehlt, etwas ist noch nicht ganz ausgereift. In dieser Zeit braucht die Seele besonders viel Kommunikation und ist sehr empfänglich für Begegnungen. Die wichtigste davon ist natürlich die Begegnung mit Gott, aber in jeder Begegnung mit einem Menschen wartet eine überraschende Entdeckung auf uns.
Eine besonders reiche und intensive Kommunikation unserer Jugendlichen findet zweifellos im Zeltlager statt. Aber das passiert nur zwei- oder dreimal im Jahr, und den Rest der Zeit vermissen wir uns und freuen uns auf das nächste Treffen. In dieser Zeit hat jeder von uns Ereignisse in seinem Leben, die er besonders gerne mit Menschen teilen möchte, die ihm nahe stehen. Diesmal hat eine kleine Jugendgruppe aus Dortmund beschlossen, mich in Berlin zu besuchen, um meinen Geburtstag, meine Einweihung und das Fest der Reinigung gleichzeitig zu feiern.
Die Anreise mit Bus und Bahn in kleinen Gruppen war für viele lang, aber sie verlief reibungslos, und am Freitagabend war meine Studentenwohnung mit Gästen gefüllt. Gemeinsames Abendessen, Gitarrenlieder, Spiele, ein Spaziergang durch das nächtliche Berlin, Abendgebete und viele fröhliche Gespräche erhellten den ersten Tag unseres Treffens.
Am nächsten Morgen besuchten wir den Gottesdienst in der Auferstehungskirche in Berlin. Auf dem Weg zur Kirche bemerkten wir schon von weitem einen schwarz gekleideten Mann, der allein am Zaun der Kirche stand. Als wir näher kamen, freuten wir uns, ihn als Vladyka Tikhon zu erkennen - eine weitere "Begegnung" für uns - und baten um einen Segen. Er begrüßte uns und erkundigte sich nach dem Zweck unserer Reise. Erst da spürten wir wirklich, dass es kein Zufall war, dass wir uns ausgerechnet an diesem Feiertag in Berlin versammelt hatten.
Die Predigt von Wladyka Tichon während der Göttlichen Liturgie wird von Grigorij Wassiljew nacherzählt:
Am Tag der Darstellung des Herrn trifft die Alte Kirche auf die Neue Kirche in der Person des heiligen Simeon des Gastwirts. Und nicht umsonst ist mit dem Segen Seiner Heiligkeit Patriarch Alexij II heute ist der Orthodoxe Jugendtag. Im Leben eines jeden von uns muss dieser Wendepunkt eintreten, wenn der neue Mensch, geboren aus Wasser und Geist, über unsere alte Natur triumphieren wird. Und es ist gut, wenn diese lang erwartete Begegnung mit Christus in unseren Herzen in unserer Jugend stattfindet, wenn Christus unsere erste Liebe wird. Zögert diese Begegnung nicht hinaus, beeilt euch, Christus zu begegnen. "Wer Christus hier auf Erden nicht begegnet", sagt der ehrwürdige Simeon der Neue Theologe, "wird Christus in der Ewigkeit nicht begegnen".
Nach dem Gottesdienst spazierten wir gemeinsam durch die Stadt, sahen uns einige Sehenswürdigkeiten an, bewunderten den majestätischen Berliner Dom, tauchten im DDR-Museum in die Geschichte der Ostblockländer ein, probierten das beste Schawarma Deutschlands, besuchten die East Side Gallery - einen erhaltenen Abschnitt der Berliner Mauer, der in eine Kunstgalerie umgewandelt wurde. Wir besuchten auch den russischen Friedhof, auf dem Erzbischof Theophan von Berlin begraben ist.
Neben den Jungen aus unserer Dortmunder Gemeinde war auch Alexei Atamanov dabei, der vor seinem Umzug nach Berlin die Wuppertaler Gemeinde besucht hatte. Er freute sich sehr, seine Jugendfreunde wieder zu treffen. Wir hoffen, dass sich dieses Treffen in Zukunft noch viele Male wiederholen wird.
Zwei ereignisreiche Tage vergingen wie im Flug. Am Sonntag, nach dem Gottesdienst und einer festlichen Teeparty, wurden noch viele Gespräche geführt und die Ergebnisse des Treffens zusammengefasst. Viele der Kinder stellten fest, dass nicht nur die Veranstaltungen und Ausflüge selbst, sondern vor allem die Gemeinschaft und die gesammelten Erfahrungen der wertvollste Teil der Reise waren.
Ich möchte mich in meinem Namen bei den Jungs bedanken und alle ermutigen, immer bereit zu sein, sich zu begegnen - mit sich selbst, mit Christus und mit dem Ebenbild Gottes in jedem Menschen.


































Felix Wagenblas, Student. 15.02.2020 Berlin
