Protopresbyter Thomas Hopko (1939-2015) diente mehr als ein halbes Jahrhundert lang als Priester der Orthodoxen Kirche in Amerika. Er galt als einer der besten orthodoxen Prediger in den Vereinigten Staaten. Er verteidigte seine Doktorarbeit über theologische Themen. Viele Jahre lang lehrte er dogmatische und pastorale Theologie am St. Vladimir's Theological Seminary. Er trat die Nachfolge von Pater John Meyendorff als Dekan des Seminars an. Er wirkte 10 Jahre lang als Dekan und wurde am Ende seines Lebens zum Dekan emeritus des Seminars ernannt. Er zog fünf Kinder auf. Pater Thomas schrieb viele Artikel und Bücher über den christlichen Glauben und das Leben.
Das Portal "Orthodoxy.Ru" veröffentlichte die Überlegungen von Pater Thomas zum Thema "Gott und Mensch in der orthodoxen Kirche". Pater Thomas war ein regelmäßiger Mitarbeiter der orthodoxen Radiosendung "Ancient Faith".
Eines Tages, als die Zahl der Jahre, die er am Altar verbracht hatte, 40 überschritten war, wurde er gebeten, kurz zu beschreiben, was das christliche Leben ist und welche Regeln und Lebensprinzipien für einen Gläubigen charakteristisch sind. Daraufhin formulierte Pater Thomas 55 einfache Grundsätze und verlas sie in Ancient Faith Radio. Diese Grundsätze wurden im Internet in leicht abgewandelter Form weit verbreitet. Wir bieten den Lesern des Portals Orthodoxy.Ru die russische Übersetzung dieses bemerkenswerten Textes an. In der oben genannten Radiosendung las Pater Thomas seine Grundsätze vor, kommentierte sie aber mündlich, aus dem Stegreif.
1. Vertraue Gott in allen Dingen und sei immer mit Christus.
Vergessen Sie niemals Gott.
2. Bete so, wie du beten kannst, nicht wie du denkst, dass du beten solltest.
Das Gebet hängt nicht nur von unserem Wunsch ab, sondern auch von der Gnade Gottes, davon, wie Gott uns das Beten ermöglicht. Für einen Christen kann das bedeuten: bete in deinem Herzen, bete in deinem Haus, bete im Tempel.
3. Lass deine Gebetsregel so sein, dass du die Kraft hast, diese Regel nicht aufzugeben.
Man kann nicht nur beten, wenn man beten will. Man muss sich selbst ermutigen, den ganzen Tag über zu beten. Das Gebet erfordert Selbstdisziplin.
4. Sprich mehrmals am Tag das Vaterunser.
Bei Reisen in Verkehrsmitteln, auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule, vor dem Abendessen und vor dem Schlafengehen. Dieses Gebet wurde uns vom Herrn gegeben. Es ist kurz, aber es enthält alles, wofür wir beten müssen - neben dem gekreuzigten, auferstandenen und verherrlichten Christus.
5. Bete kurze Gebete, wenn der Geist mit nichts beschäftigt ist.
Es kann das Gebet "Herr, erbarme dich" sein, oder das Gebet "Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner", oder einfach "Herr!"
6. Wenn du betest, verbeuge dich manchmal.
Der heilige Ephrem sagte: "Wenn dein Körper beim Gebet nicht arbeitet, dann betest du nicht. Beim Gebet sind nicht nur der Verstand und die Sinne aktiv, sondern auch der Körper - die ganze Person.
7. Essen Sie herzhafte Speisen in Maßen und fasten Sie an den Fastentagen.
Vermeiden Sie Lebensmittel, die Ihnen schaden, vermeiden Sie jeglichen Schaden durch Lebensmittel. Wenn ihr fastet, tut es im Geheimen.
8. Übe das Verweilen in der Stille, innerlich und äußerlich.
9. Verbringe jeden Tag ein paar Minuten in absoluter Stille.
Schalten Sie alle Geräte aus. Öffnen Sie sich für Gott. Denken Sie an nichts. Achten Sie auf die Gedanken, die kommen, wenden Sie sie Gott zu.
10. Tue Werke der Barmherzigkeit im Verborgenen.
Nur ein paar gute Taten. Und niemand weiß davon.
11. Regelmäßiger Besuch von Gottesdiensten.
Komm in den Tempel. Steh auf. Bete. Lasst euch nicht von Menschen ablenken. Natürlich gibt es auch um dich herum Menschen, aber du bist hierher gekommen, um anzubeten.
12. regelmäßig beichten und die Kommunion empfangen.
Nimm an den Sakramenten teil, das ist es, was die Kirche lebt.
13. Wenn aufdringliche Gedanken und Gefühle auftauchen, folgen Sie ihnen nicht, sondern unterbrechen Sie sie sofort.
Wenn Sie sündige Gedanken zulassen, werden sie von Ihnen Besitz ergreifen und Sie werden sündigen. Du musst die Gedanken von Anfang an ausschalten.
14. Besprechen Sie Ihre Gedanken und Gefühle mit einer Person Ihres Vertrauens; tun Sie dies regelmäßig.
In der Regel ist diese Person ein Hirte, ein geistlicher Vater oder eine geistliche Mutter, ein Ältester. Jeder Christ sollte eine solche Person haben, die alles über ihn weiß, über die Ereignisse in seinem Leben.
Wenn wir die Heilige Schrift nicht regelmäßig lesen, sterben wir
15. Lies ständig in der Heiligen Schrift.
Lesen Sie nicht, um mit jemandem zu streiten, sondern um Bibelzitate zu belegen. Betrachten Sie die Heilige Schrift als geistige Nahrung, um sich zu ernähren. Wenn wir nicht regelmäßig in der Schrift lesen, sterben wir. Es ist unmöglich zu leben, ohne sich zu ernähren.
16. Lies gute Bücher, ein wenig auf einmal, zu einer bestimmten Zeit.
Verschlingen Sie sie nicht nacheinander. Lesen Sie nicht, um das Recht zu erlangen, zu sagen: "Das habe ich gelesen." Lesen Sie Bücher langsam. Lesen Sie ein Buch von Zeit zu Zeit noch einmal, zwei- oder dreimal, um das, was in dem Buch steht, lebendig werden zu lassen.
17. Pflegen Sie die Gemeinschaft mit den Gläubigen.
Lernen Sie die Menschen kennen, die in der Geschichte der Kirche als Heilige geglänzt haben. Lernen Sie diejenigen kennen, die als Christen gepredigt, gelehrt, gelitten, gestorben und gelebt haben. Der heilige Johannes von der Leiter sagte: "Wer die Heiligen nicht nachahmt, ist ein Narr. Aber auch derjenige, der das Leben eines anderen nachahmt, ist ein Narr". Wir können das Leben der Heiligen nicht kopieren, aber wir können etwas von den Heiligen lernen.
18. Sei einfach ein Mensch, ein Mitglied der menschlichen Rasse.
Sagen Sie niemals: "Danke, Gott, dass ich nicht wie andere Menschen bin" (Lukas 18,11). Versuchen Sie, wie andere Menschen zu sein. Tschechow betonte, dass alles, was absichtlich außergewöhnlich ist, vom Bösen kommt.
19 Sei zu allen höflich, besonders zu deinen Verwandten.
Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir unhöflich zu unseren Familienmitgliedern und freundlich zu Fremden sind. Nein! Seien Sie zuerst nett zu den Menschen, die Ihnen am nächsten stehen.
Gott mag es nicht, in einer unordentlichen und schmutzigen Wohnung zu wohnen
20. Halten Sie Ihre Wohnung sauber und aufgeräumt.
Gott mag es nicht, in einer unordentlichen und schmutzigen Wohnung zu wohnen. Wir müssen keine fanatischen Fans von steriler Sauberkeit werden. Aber wir sollten eine kluge Ordnung haben, zumindest dort, wo wir leben und essen, und besonders dort, wo wir beten.
21. Haben Sie ein gesundes und lohnendes Hobby.
Entwickeln Sie Ihren Geist, beschäftigen Sie sich mit dem, was Ihnen einfach nur Freude bereitet.
22. Regelmäßig Sport treiben.
Wir müssen uns bewegen.
23. Den Tag, oder zumindest einen Teil des Tages, pünktlich hinter sich bringen.
Bleiben Sie nicht in der Vergangenheit stecken. Verweile nicht in der Zukunft. Der heilige Venedikt riet: "Tu, was du jetzt tust. Sei da, wo du bist." Was will Gott, dass ich genau jetzt tue? Nicht heute Abend, nicht morgen früh, nicht gestern, sondern genau jetzt.
24. Seien Sie zuallererst und vor allem zu sich selbst vollkommen ehrlich.
Die größte Sünde ist die Lüge. Und die größte Lüge ist die Lüge über Gott, die Lüge über mich und Gott. Sei ehrlich bis zum Ende.
25. Sei gewissenhaft bei den kleinen Dingen.
Das hat der Herr Jesus befohlen. Wer in wenig und in viel treu ist, der ist treu, und wer in wenig untreu ist, der ist in viel untreu. Wer im Wenigen untreu war, wird das Wenige, das er hatte, verlieren. Im Lukasevangelium sagt der Herr noch schärfer: Wer im Wenigen untreu ist, wird auch das Wenige verlieren, das er zu haben glaubte (vgl. Lk. 16, 10). Deshalb - Treue in den alltäglichsten Dingen, in kleinen Dingen.
26. Tue deine Arbeit und vergiss danach, was du getan hast.
Naschen Sie später nicht daran herum... Achten Sie darauf, was Sie jetzt tun, konzentrieren Sie sich auf den gegenwärtigen Moment des Lebens.
27. Erledige die schwierigsten und unangenehmsten Dinge zuerst.
Wir neigen dazu, die einfachsten und angenehmsten Dinge zuerst zu tun und alles andere auf später zu verschieben. Versuchen wir, das Gegenteil zu tun - die langweiligsten Dinge sollten die erste Priorität sein.
28. Stellen Sie sich dem wahren Leben.
Leben Sie nicht in der Fantasie. Es gibt ein russisches Sprichwort: "Gott lebt überall, aber nicht in der Welt der Phantasien und Fiktionen.
29. Sei ein dankbarer Mensch.
Seien Sie dankbar - für alles.
30. Sei ein fröhlicher Mensch.
Verhalte dich wie ein fröhlicher Mensch, auch wenn du dich nicht fröhlich fühlst. Besonders vor anderen Menschen.
31. Sei ein einfacher, stiller Mensch, halte dich an dein Innerstes und denke nicht, dass du ein großer Mann bist.
Die Heiligen Väter sagen: "Versuche nicht, dich bei den Menschen bekannt zu machen, wenn du dich bei Gott bekannt machen willst". Noch einmal: Einfachheit, Verborgenheit, Stille, Kleinheit.
32. Versuchen Sie nie, die Aufmerksamkeit anderer zu erregen.
Ziehen Sie niemals absichtlich die Aufmerksamkeit auf sich. Wo immer Sie sind, tun Sie das, was alle anderen auch tun. Besonders im Tempel. Der heilige Ambrosius sagte dies der Mutter des seligen Augustinus, der heiligen Monika. Sie fragte: "Was soll ich tun, wenn ich in Rom ankomme?" Der heilige Ambrosius antwortete: "Wenn du in Rom bist, tue, was die Römer tun. Faste, wenn die Römer fasten. Stehe auf, wenn sie aufstehen, singe, wenn die Römer singen.
33. Hören Sie zu, wenn man Ihnen etwas sagt.
Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen, ist eine der größten Gaben. Wachen Sie auf und hören Sie zu, wenn Ihnen jemand etwas sagt.
34. Seien Sie aktiv und achtsam.
Seien Sie am 100% dort präsent, wo Sie sind - aufmerksam, wachsam, konzentriert.
35. Denken und reden Sie nicht mehr über etwas als nötig.
Wir sollen nur sprechen, wenn wir etwas zu sagen haben. Die Heilige Schrift lehrt uns, nur dann zu sprechen, wenn wir etwas gesagt bekommen haben. Die Kirchenväter haben festgestellt: "Wir bereuen oft, etwas Unnötiges gesagt zu haben. Und selten, weil wir geschwiegen haben." Manchmal sind wir gezwungen, etwas zu sagen. Wir sollten jedoch nicht mehr als nötig über etwas nachdenken und darüber sprechen.
36. Wenn Sie etwas zu sagen haben, sprechen Sie einfach, klar, deutlich und direkt.
Nichts Überflüssiges, keine Worte in den Wind. Noch einmal: Einfachheit ist unsere Regel.
37. Vermeiden Sie eine ungesunde Einstellung zu Ereignissen - wenn Sie sich Dinge vorstellen, phantasieren, versuchen, die Dinge zu analysieren und ihnen einen Sinn zu geben.
Wir sollten ein für alle Mal lernen, dass wir nicht versuchen sollten, alles in der Welt zu verstehen. Gott kann unseren Verstand erleuchten und uns Einblick in das Wesen der Dinge geben, aber wir selbst können nicht alles mathematisch berechnen und verstehen. Wir haben diese Fähigkeit nicht, und wir sollten es auch nicht versuchen.
38. Flieht vor fleischlichen, sexuellen Versuchungen, sobald sie auftauchen, sobald sie auftauchen.
Man darf sich nicht auf ein Gespräch und eine Auseinandersetzung mit der Leidenschaft der Unzucht, des Ehebruchs und der fleischlichen Unmoral einlassen. Die Leidenschaft wird immer einen Weg finden, um zu gewinnen, wird immer Argumente zu ihren Gunsten finden. Man sollte vor der Lust fliehen, sobald sie auftaucht.
39. Beklagt euch nicht, murrt nicht, murmelt nicht und jammert nicht.
Unser ganzes Leben lang lernen wir, unsere Fehler zu sehen, uns selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken als den Fehlern der anderen: Das ist es, was einen Menschen mürrisch macht.
40. Suche oder erwarte kein Mitleid oder Lob von anderen.
Wir wollen ständig von anderen hören: "Wie wunderbar du aussiehst" oder "Gott, du hast es aber schwer". Versuchen wir, uns so zu verhalten, um Worte des Mitleids und des Lobes von anderen zu vermeiden.
41. Vergleichen Sie sich nicht mit anderen Menschen.
Beim Jüngsten Gericht werden wir nicht mit einer Tabelle konfrontiert, in der die geistigen Leistungen verschiedener Menschen verglichen werden. Gott vergleicht uns nicht mit anderen. Jeder von uns steht vor Gott auf der Grundlage dessen, was wir wirklich sind, was uns gegeben wurde, was unsere Berufung war.
42. Verurteile niemanden - für nichts.
Das bedeutet nicht, dass Sie ausrufen müssen: "Alle Menschen sind schön und nett." Das ist nicht wahr. Trotzdem verurteilen wir die Menschen nicht. Wir machen sie nicht nervös, wir sagen ihnen nicht ständig, was sie tun sollen. Was sie tun, tun auch wir, auch wir sind nicht ohne Sünde. Wir bezeugen anderen Menschen, was wir glauben - durch unser Handeln, durch das, was wir tun. Wir urteilen also nicht, aber wenn wir es tun, dann wird der Herr uns mit demselben Urteil richten.
Ein für alle Mal: Hören Sie auf, andere Menschen zu belehren
43. Versuchen Sie nicht, die Meinung der Leute zu ändern.
Ein für alle Mal: Hören Sie auf, andere Menschen zu belehren. Ich hoffe, ich will Sie jetzt nicht belehren. Ich möchte nur sagen: "Das ist, was ich denke, und das ist, was es wirklich ist. Jetzt könnt ihr damit machen, was ihr wollt. Ich will Sie nicht umstimmen oder mit Ihnen streiten. Ich kann nur mein Zeugnis ablegen, biblisch gesprochen". Ich habe nicht die Absicht, andere Menschen zu bekehren, umzuorientieren. Das gilt sogar für die Verkündigung des Evangeliums. Wir sind nicht dazu da, Menschen zu bekehren. Wir sind dazu da, den Menschen die Freude über den Sieg Gottes in Christus zu vermitteln. Welche Entscheidung sie treffen, ist eine Sache zwischen ihnen und Gott.
44. Rechtfertigen Sie sich nicht selbst, geraten Sie nicht in eine defensive Position.
Die Heiligen sagen: "Wer versucht, sich zu rechtfertigen, begeht Selbstmord". Wir brauchen uns nicht selbst zu rechtfertigen. Gott wird uns rechtfertigen. Wir brauchen uns nicht zu verteidigen. Gott ist unser Verteidiger.
45. Lasst euch von Gott leiten, nicht von Menschen. Seid an Gott gebunden und nicht an Menschen.
Wir lassen nicht zu, dass andere Menschen den Verlauf unseres Lebens bestimmen. Gott bestimmt unser Leben. Selbst diejenigen, die uns am nächsten stehen, sollten unser Leben nicht bestimmen: unsere Eltern, unsere Frau oder unser Mann. Nur Gott bestimmt, wer wir sind; der Verlauf unseres Lebens ist an Gottes Vorhersehung gebunden.
46. Nehmen Sie Kritik mit Dankbarkeit an und prüfen Sie sorgfältig, ob sie fair ist.
Wir sind nicht verpflichtet, jede Kritik, die an uns gerichtet wird, umzusetzen. Manchmal ist die Kritik falsch. Dennoch sollten wir Kritik willkommen heißen, für sie dankbar sein und sie prüfen. Der heilige Johannes Chrysostomus sagte, dass wir, wenn uns etwas vorgeworfen wird und wir diese Anschuldigungen nicht für gerecht halten, die Kritik als von uns verdient annehmen und praktische Schlussfolgerungen daraus ziehen sollten. In diesem Fall werden wir keinen Fehler machen. Wenn unsere Ankläger Recht haben, haben wir Buße getan und sie zufrieden gestellt. Wenn unsere Ankläger im Unrecht sind, haben wir sie beschämt.
47. Geben Sie nur dann Ratschläge, wenn Sie darum gebeten werden oder wenn Sie für die Beratung zuständig sind.
Das ist sehr wichtig. Gehen Sie nicht herum und verteilen Sie keine kostenlosen Tipps und Ratschläge. Wenn die Leute uns fragen, antworten wir. Ich wurde gefragt: "Pater Thomas, erzählen Sie uns davon auf Ancient Faith Radio". Ich habe geantwortet: "Okay, wenn es Sie interessiert". Wenn wir gefragt werden, dann ist es unsere Pflicht (Eltern, Pfarrer) und unsere Aufgabe (Lehrer), zu antworten.
48. Tu nicht für andere, was sie für sich selbst tun können und sollten.
Es ist nicht gut, etwas für andere zu tun, wenn sie es selbst tun müssen. Damit nehmen wir ihnen ein Stück ihres Lebens weg. Es ist besser, den Menschen zu helfen, das, was sie tun müssen, selbst zu tun - und es nicht für sie zu tun. Im Moment können viele Menschen einfach nicht selbst tun, was sie tun müssen.
49. Legen Sie Ihre Aufgaben für den Tag fest und achten Sie dabei darauf, dass Sie Ungewöhnliches und Skurriles vermeiden.
Die heiligen Väter lehren uns, dass die Idiorhythmie (das Leben nach eigenem Gutdünken), die Erfüllung von Launen und Fantasien, die Ursache all unserer Niederlagen ist. Wir müssen disziplinierter sein. Wir sollten eine Regel für unser Leben aufstellen und versuchen, sie zu befolgen. Natürlich ist diese Regel kein ehernes Gesetz. In gewissem Sinne ist die Regel so ausgearbeitet, dass sie in der Zukunft geändert oder aufgehoben werden kann, aber im Moment brauchen wir diese Regel. Jeden Abend sagen wir uns, wie wir den morgigen Tag gestalten wollen, und am Morgen versuchen wir, unserer Regel, unserem Zeitplan zu folgen.
Wir können uns selbst nicht härter beurteilen als Gott uns beurteilt
50. Sei barmherzig zu dir selbst und zu anderen.
Natürlich sind wir verpflichtet, anderen gegenüber barmherzig zu sein, aber wir sind auch verpflichtet, uns selbst gegenüber barmherzig zu sein. Wir können uns selbst nicht härter beurteilen als Gott uns beurteilt, denn Verzweiflung ist die schlimmste Sünde. Wir müssen - durch die Gnade Gottes - bis zum letzten Tag unseres Lebens leben. Wir müssen die Verantwortung für unser Handeln übernehmen, aber wir sollten uns nicht schelten und bestrafen. Gott will das nicht. Das ist keine Tugend. Gott will unsere Umkehr, nicht Selbstbesessenheit oder Selbstmissbrauch.
51. Erwarte nichts als heftige Versuchungen bis zu deinem letzten Atemzug.
Dies ist der Gedanke des heiligen Antonius: "Der wahrhaft weise Mensch unterscheidet das Richtige vom Falschen, das Gute vom Schlechten, das Wahre vom Falschen. Und er strebt mit aller Kraft nach dem Guten, Wahren, Schönen, aber er erwartet in voller Bereitschaft Anfechtungen, Prüfungen, Versuche. Und so bis zum letzten Atemzug." Er sagte, dass niemand in das Reich Gottes kommen kann, ohne versucht zu werden; ohne Versuchung gibt es kein Heil. Hiob beklagte, dass das ganze menschliche Leben auf der Erde eine Prüfung ist. Wir werden jede Minute versucht, darauf sollten wir vorbereitet sein. Wir sollten nicht erwarten, dass wir der Versuchung entgehen können. Wir beten nicht zu Gott, dass er uns von unseren Kreuzen befreit. Wir bitten um die Kraft, unsere Kreuze zu tragen. Gott führt niemanden in Versuchung. Aber durch die Vorsehung Gottes werden wir immer wieder auf die Probe gestellt. Und unter diesen Umständen wird die Erlösung wirklich zu unserer, und wir können siegen - aufgrund des Sieges Christi.
Denke an die guten Dinge und Gott wird sich um den Rest kümmern
52. Konzentriere dich auf Gott und das Licht, nicht auf die Dunkelheit, die Versuchung und die Sünde.
Das ist der klassische Ansatz: Fülle dein Leben mit guten Dingen, lass dich nicht von den schlechten Dingen hypnotisieren. Halte dich nicht mit Gedanken an das Böse auf. Bestehe darauf, gute Gedanken zu denken, und Gott wird sich um den Rest kümmern.
53. Ertrage deine geistlichen Prüfungen und dein Versagen mit Gleichmut und erflehe Gottes Barmherzigkeit.
Das ist das, was äußerst wichtig ist. Der heilige Seraphim von Sarow sagte: "Die Erlangung des Heiligen Geistes ermöglicht es dem Menschen, seine Armut zu bemerken, ohne den Frieden zu verlieren, weil er weiß, dass Gottes Gnade größer ist als seine Armut. Der Apostel Paulus schrieb: Als die Sünde im Überfluss war, war die Gnade im Überfluss (Römer 5,20). Lassen wir den Teufel nicht zweimal jubeln, beschämen wir ihn, indem wir nach unserem Fall aufstehen. Lasst uns unsere Schwächen und unser Versagen mit Gelassenheit ertragen. Sie sind zu erwarten. Wir dürfen sie nicht zulassen, nicht als etwas betrachten, das man tolerieren muss, sondern wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sie kommen werden. Wir sind nicht Gott, wir sind nicht sündlos.
Wie oft fallen wir, wie oft stehen wir wieder auf.
54. Wenn wir fallen, stehen wir sofort wieder auf und beginnen die Reise erneut.
Wir fallen so oft, wie wir aufstehen. Wir werden fallen. Die Schrift sagt, dass der Gerechte siebenmal (d.h. viele Male) fallen und wieder aufstehen wird (Sprüche 24:16). Aber der Böse steht nicht wieder auf. Der Böse ist sich nicht einmal bewusst, dass er gefallen ist. Der Gerechte weiß, wenn er gefallen ist, aber er steht wieder auf. Die Tradition lehrt uns, dass es für Gott charakteristisch ist, nicht zu fallen, niemals zu sündigen. Für Dämonen ist es charakteristisch, zu fallen und nicht wieder aufzustehen. Ein Heide fragte einen Wüstenvater: "Was bedeutet es, ein Christ zu sein?" Er antwortete: "Ein Christ ist einer, der hinfällt und wieder aufsteht, hinfällt und wieder aufsteht. Der durch die Gnade Gottes wieder aufsteht und wieder zu gehen beginnt." Und man kann jederzeit wieder anfangen.
Seien Sie nicht schüchtern oder scheuen Sie sich, um Hilfe zu bitten
55. Hilfe von anderen annehmen, wenn sie benötigt wird, ohne Scheu oder Schüchternheit.
Wir alle brauchen Hilfe. Ein russisches Sprichwort sagt: "Das Einzige, was man allein tun kann, ist unterzugehen", das heißt, in die Hölle zu kommen. Wenn wir gerettet werden, werden wir zusammen mit anderen Menschen gerettet. Wir brauchen also Unterstützung. Wir brauchen Freunde, Gemeinschaft mit anderen Menschen. Manchmal brauchen wir die Hilfe eines Arztes, und wir gehen zum Arzt, um unsere Ängste und unsere Schüchternheit zu überwinden. Manchmal wissen wir nicht, was wir in einer bestimmten Situation tun sollen, und wir brauchen die Hilfe eines Menschen mit großer Welterfahrung, seine Führung. Seien Sie nicht schüchtern und haben Sie keine Angst, um Hilfe zu bitten. Es ist ein organischer Teil des menschlichen Lebens. In der Kirche erhalten wir Hilfe aus den Heiligen Schriften der Propheten und Apostel, Hilfe von den Heiligen, Hilfe aus den Gottesdiensten. Gott hilft uns, wenn er uns vom Tod befreit, uns heilt, uns das Heil schenkt. Nehmen Sie also Hilfe an, wenn Sie in Not sind. Seien Sie ein normaler Mensch. Sei ein Christ.
Protopresbyter Thomas Hopko
Aus dem Englischen übersetzt von Diakon Pavel Serzhantov
