"Als der Herr sie sah, hatte er Erbarmen mit ihr und sagte zu ihr: "Weine nicht!" (Lk. 7:13).
Die Witwe... Hat sie um die Auferstehung ihres Sohnes gebeten? Oder hat sie sich damit abgefunden, ihn zu verlieren, wie sie ihren Mann verloren hatte? Oder schrie sie zum Himmel, weil sie mit diesem Schicksal nicht einverstanden war? Wir wissen nur, dass Christus ihren Sohn auferweckt hat, ohne sie um etwas zu bitten. Das Geheimnis der Witwe bleibt ein Geheimnis. Genauso wie das Seufzen unseres Herzens - was es bittet, was es erwartet, worauf es hofft.
Irgendwann erhalten wir plötzlich das, worum wir gebeten haben. Und manchmal bekommen wir auch das, worum wir gar nicht gebeten haben... Hier ist ein Mensch, der vor harter Arbeit verzweifelt seufzte - dann wurde er behindert und jetzt arbeitet er nicht mehr. Dieser Mensch
beschwerte sich über die Kinder - die Kinder waren erwachsen und weggezogen, und er war sozusagen kinderlos, aber völlig alleinм. Der dritte wollte unbedingt ein Wunder - und nachdem er es erlebt hat, zieht es ihn nun zu einem ruhigen Leben. Einer wollte wirklichлund Kinder - und jetzt, wo sie fünf davon hat, hat sie Angst, am Leben zu seinund die nächste...
Wenden wir uns unserem Herzen zu: Was kommt von ihm? Wonach sehnt es sich? Der Herr wird kommen und wirken.
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Ein aktuelles Interview mit einem Freund aus unserer Gemeinde Erzbischof Mark von Egorievsk "Der Tempel ist das Licht im Fenster". lesen hier.
"Wenn man Landsleute im Ausland trifft, fragt man sich manchmal, wie die Menschen jemals ohne einen Tempel leben konnten.
Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Wenn eine Pflanze verpflanzt wird, neigt sie dazu, krank zu werden. Auch für eine Person, die ihren Wohnsitz wechselt, ist es schwierig, sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen, vor allem, wenn sie volljährig ist, da sie ihre Heimat, ihre Bekannten, ihre Arbeit und ihr soziales Umfeld verlässt. Natürlich können wir heute dank der Globalisierung kommunizieren, aber nichts kann die direkte Kommunikation ersetzen. Wenn man Landsleuten begegnet, die nicht in den Tempel gehen, sieht man eine Art Leere in ihren Augen. Wenn man orthodoxe Christen im Tempel trifft, sieht man, dass ihre Augen leuchten und ihre Stimmung anders ist. Sie werden nicht krank wie eine verpflanzte Pflanze, denn im Tempel kommunizieren sie mit Gott, mit anderen Menschen in ihrer Muttersprache. Der Tempel ist ein Licht im Fenster.
