Schöne Ferien!
Die Geschichte der Fürbitte, eine der wunderbarsten Geschichten, offenbart uns die Sensibilität der russischen Seele von Anfang an. Es heißt, dass die Slawen, unsere Vorfahren, Zargrad, das spätere Konstantinopel, einnehmen wollten, und dass die Mutter Gottes ihren Schutz über die christliche Stadt ausbreitete, über die Stadt, die dem menschgewordenen Gott, ihrem Sohn, diente und ihn anbetete, und der Sturm die russischen Krähen wegblies.
Die Griechen vergaßen dieses Fest für lange Zeit, aber die Russen vergaßen es nie. Die Russen haben es nie vergessen. Es hat sie nicht verletzt, dass sie das Ziel des Zorns der Mutter Gottes waren, sondern sie haben sich über die Liebe und den Schutz gewundert, den die Mutter Gottes denen gewährte, die ihren einzigen Sohn liebten. Und heute, nach vielen Jahrhunderten, freuen wir uns wie unsere Vorfahren über dieses Fest, denn an diesem Tag hat die Mutter Gottes ihren Schutz nicht nur auf die Stadt Konstantinopel, sondern auf alle Christen ausgedehnt, die Gottes Barmherzigkeit und Schutz brauchen.
Liebe ist unendlich zerbrechlich, Liebe ist unendlich wie Schwäche, und damit gibt es nichts Stärkeres und Mächtigeres als Liebe. Das Alte Testament sagt uns, dass die Liebe, wie der Tod, stark ist. Sie kann im Angesicht des Todes bestehen. Unsere engsten und liebsten Menschen können sterben, aber unsere Liebe zu ihnen wird nur stärker, tiefer, reiner und wird nicht nur zu einer vorübergehenden Erfahrung, sondern zu einem ewigen Gefühl der Einheit in Gott. Das ist die Liebe, mit der die Mutter Gottes uns liebt.
Und Russland war von Anfang an der Mutter Gottes, der seligen Jungfrau Maria, geweiht. In Kiew gab es bereits einen Tempel mit ihrem Namen. Und die Mutter Gottes ist gleichsam die Patronin Russlands, nicht nur der Christen dort, sondern all derer, um derentwillen Ihr Sohn auf die Erde kam, um derentwillen Er starb, um das Recht zu haben, als Er am Kreuz gekreuzigt wurde, zu Gott und dem Vater zu beten und zu sagen: Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun... Und dieses Wort hat Er uns als Bund, als Testament hinterlassen.
Jedes Mal, wenn wir Opfer von irgendetwas sind - sei es ein häuslicher Streit oder ein staatlicher Kampf, ein Krieg oder Grausamkeit - müssen wir lernen, nicht nur mit Worten zu sagen, sondern mit unserer ganzen Seele, mit unserem ganzen Körper, wenn nötig, zu sagen: "Vergib ihnen, Vater, sie wissen nicht, was sie tun; ich werde im Jüngsten Gericht nicht als Ankläger dieser fehlgeleiteten Menschen vor Dir stehen, ich werde vor Dir stehen und sagen: Vergib, vergib, sie waren verrückt, sie waren blind. Das ist es, was die Mutter Gottes uns lehrt, was unser christlicher Glaube uns lehrt.
Ehre sei Gott und Ehre sei der Mutter Gottes. Amen!
Metropolit Anthony Surozhsky
Auf dem Foto: Pfarrfest.
