Die Dreifaltigkeitsgemeinde in Dortmund wünscht allen ein frohes Weihnachtsfest, das nun für Christen in aller Welt gekommen ist. "Christus ist geboren - Lobpreis!" - Diese Worte des festlichen Weihnachtskanons sind der Predigt des heiligen Gregor des Theologen (IV. Jahrhundert) entnommen. Wir bieten unseren Besuchern die einleitenden Worte dieser Predigt an, die ein klassisches Verständnis des Geheimnisses der Geburt Gottes in die Welt darstellt.
"Christus ist geboren - lobt ihn! Christus vom Himmel - komm ihm entgegen! Christus auf Erden - kommt herauf! Singet dem Herrn, alle Welt (Psalm 95,1)! Und ich will zu beiden zusammen sagen: Lasst den Himmel frohlocken und die Erde triumphieren (11), um der himmlischen und dann der irdischen willen! Christus im Fleisch - freut euch mit Zittern und Freude, mit Zittern wegen der Sünde, mit Freude wegen der Hoffnung. Christus aus der Jungfrau - haltet euch keusch, ihr Frauen, damit ihr die Mütter Christi werdet! Wer betet nicht das Wesen von Anfang an an? Wer verherrlicht nicht den Letzten? Wieder wird die Finsternis vertrieben, wieder erscheint das Licht; wieder wird Ägypten von der Finsternis gezüchtigt, wieder wird Israel von der Säule erleuchtet. Die Menschen, die in der Finsternis der Unwissenheit sitzen, sollen das große Licht der Erkenntnis sehen (Mt 5,16). Das Alte ist vergangen, jetzt ist alles neu (2 Kor 5,17). Der Buchstabe weicht, der Geist setzt sich durch; die Schatten vergehen, die Wahrheit tritt an ihre Stelle. Melchisedec kommt; wer ohne Mutter geboren wird, wird ohne Vater geboren, das erste Mal ohne Mutter, das zweite Mal ohne Vater. Die Gesetze der Natur werden verletzt; die Welt der Höhen muss erfüllt werden. Christus befiehlt: Lasst uns nicht widerstehen. Gebt allen Völkern die Hand (Psalm 46,2); denn uns ist ein Kind geboren - ein Sohn ist uns gegeben; die Herrschaft liegt auf seinen Mauern, denn er steigt mit dem Kreuz hinauf, und sein Name soll heißen: der große Rat - der Rat des Vaterengels (Jesaja 9,6). Johannes soll verkünden: Bereitet den Weg des Herrn (Mt 3,3)! Und ich werde die Macht des Tages verkünden. Das Unkörperliche wird inkarniert. Das Wort wird verfestigt. Das Unsichtbare wird sichtbar, das Unfassbare wird berührt. Das Kinderlose wird geboren. Der Sohn Gottes wird zum Sohn des Menschen gemacht; Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit (Hebräer 13,8). Lasst die Juden in Versuchung geraten, die Hellenisten lachen, die Ketzer ihre Zunge verstummen! Dann werden sie glauben, wenn sie ihn in den Himmel auffahren sehen; wenn nicht dann, dann gewiss, wenn sie ihn vom Himmel kommen und zum Gericht sitzen sehen. Aber das wird später sein, jetzt aber ist das Fest der Epiphanie oder der Geburt, denn dieser Tag wird beides genannt, und man gibt einem Fest zwei Namen, weil Gott den Menschen durch die Geburt erschienen ist. Er ist Gott, als das Sein und das Substanziellste vom Substanziellsten, der die Schuld und das Wort übersteigt (denn es gibt kein Wort, das höher ist als das Wort); und er erscheint um unseretwillen, indem er nachher geboren wurde, damit der, der das Sein gab, auch das Wohlergehen gebe, oder besser gesagt, damit wir, die wir durch die Sünde aus dem Wohlergehen gefallen waren, durch die Menschwerdung wieder zu ihm zurückfinden. Und von der Menschwerdung kommt der Name Epiphanie und von der Geburt der Name Weihnachten. Das ist unser Fest, das feiern wir jetzt - das Kommen Gottes zu den Menschen, damit wir bewegt werden oder (genauer gesagt) zu Gott zurückkehren, damit wir den alten Menschen ablegen und den neuen anziehen (Eph. 4: 22. 23), und wie wir in Adam gestorben sind, so werden wir in Christus leben (1 Kor. 15: 22), indem wir mit Christus geboren, gekreuzigt, begraben und mit ihm wiedervereinigt werden. Denn es ist notwendig, dass ich diesen heilsamen Wandel durchmache, dass, wie aus dem Angenehmen das Unangenehme kam, so aus dem Unangenehmen wieder das Angenehme kommt. Und als die Sünde sich mehrte, fing die Gnade an, reichlich zu werden (Röm. 5,20). Und wenn die Verkostung die Schuld an der Verdammnis war, war dann nicht das Leiden Christi um so rechtfertigender? Feiern wir also nicht pompös, sondern göttlich, nicht weltlich, sondern zeitlich, nicht unser Fest, sondern das Fest dessen, der unser geworden ist, besser gesagt, das Fest unseres Meisters, nicht das Fest der Gebrechen, sondern das Fest der Heilung, nicht das Fest der Schöpfung, sondern das Fest der Neuschöpfung." (Der heilige Gregor der Theologe, aus Wort 38, - Die Werke, Bd. 1 Lavra 1994; Originaltext: PG
Auf dem Foto: Festlicher Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche in Dortmund







