Der heilige Theophanes der Einsiedler. Gedanken für jeden Tag des Jahres.
(Gal. 5, 22-6, 2). "Die, die Christus angehören, haben das Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden gekreuzigt."
Nun ist diese Ordnung verwandelt: Das Fleisch ist gekreuzigt, aber nicht mit Leidenschaften und Begierden, sondern mit Leidenschaften und Begierden. Wie viele quälen den Leib mit Völlerei, Trunkenheit, Unzucht, Tanzen und Feiern! Der herzloseste Herr tut nicht
quält sein träges Tier auf diese Weise. Würden wir unserem Fleisch Freiheit und Sinn geben, so würde seine erste Stimme gegen seine Herrin, die Seele, lauten, dass sie sich unrechtmäßig in seine Angelegenheiten einmischt, ihm fremde Leidenschaften einflößt und es quält, indem sie sie in ihm auslebt. Im Grunde genommen sind die Bedürfnisse unseres Körpers einfach und leidenschaftslos. Schaut euch die Tiere an: Esst nicht zu viel, schlaft nicht zu viel, wenn ihr die fleischlichen Bedürfnisse zur rechten Zeit befriedigt habt, dann bleibt das ganze Jahr über ruhig. Es ist nur die Seele, die ihre besten Bestrebungen vergessen hat, die sich aus den einfachen Bedürfnissen des Körpers eine Menge unnatürlicher Bestrebungen gemacht hat, die durch ihre Unermesslichkeit unnatürlich und dem Körper zuwider geworden sind. Um aber die fleischlichen Leidenschaften, die sie sich selbst aufgepfropft hat, von der Seele abzuschneiden, ist es notwendig, das Fleisch zu kreuzigen, nur im umgekehrten Sinne, d.h. ihm nicht genug und notwendig zu geben oder seine Bedürfnisse unvergleichlich weniger zu befriedigen, als seine Natur verlangt.
